Honiganalyse 2025
Im ersten Honigjahr stellt man sich viele Fragen und ist bei zahlreichen Dingen unsicher: Habe ich notwendigen Angaben auf dem Etikett? Ist der Honig trocken genug? Ist die Lagerung passend? Und natürlich die Frage: Was steckt eigentlich in meinem Honig?
Umso glücklicher war ich, als ich von einem Vereinsmitglied einen wertvollen Tipp erhielt: Der eigene Honig kann kostenlos von der Landesanstalt für Bienenkunde untersucht werden. Pro Imkerei aus Baden-Württemberg kann eine kostenlose Honiganalyse in Auftrag gegeben werden. Vorraussetzung: Der Honig muss aus Baden-Württemberg und aus dem aktuellen Jahr stammen und bereits geschleudert sein.
Rund zwei Monate nach der Einsendung erhielten wir schließlich die langersehnten Analyseergebnisse.
Die Analyse teilt sich in drei Bereiche:
- Sinnesprüfung
- Chemisch-Physikalische Analyse
- Pollenanalyse
1. Sinnesprüfung
Bei der sensorischen Prüfung werden die Eigenschaften wie Aroma, Farbe und Konsistenz des Honigs analysiert. Zudem wird der Honig auf Sauberkeit untersucht.
Unser Honig ist bernsteinfarben, klarflüssig, aromatisch, blumig und selbstverständlich sauber. Bei etikettierten Honigen wird überprüft, ob alle erforderlichen Angaben gemäß den lebensmittelrechtlichen Vorschriften vorhanden und korrekt angegeben sind. Auch diese Angaben sind bei uns ohne Beanstandung.
2. Chemische-Physikalische Analyse
Bei der chemisch-physikalischen Analyse wird der Honig gezielt auf bestimmte Inhaltsstoffe getestet, darunter der Wassergehalt, die elektrische Leitfähigkeit und die Enzymaktivität. Diese Ergebnisse geben Aufschluss über die Qualität des Honigs.
Wassergehalt: 16,6%
Mit Hilfe des Wassergehalts wird der Reifegrad des Honigs bewertet. Der von den Bienen gesammelte Blütennektar besteht hauptsächlich aus Zuckern und Wasser. Um den Nektar haltbar zu machen, entziehen die Bienen ihm einen Großteil des Wassers. Dadurch steigt der Zuckergehalt, und das Wachstum von Bakterien und Hefen wird verhindert. Werden Honige mit einem zu hohem Wassergehalt geerntet laufen diese besonders leicht Gefahr, in Gärung überzugehen. Daher gilt grundsätzlich: Je trockener ein Honig ist, desto besser ist er konserviert. Nach den Richtlinien des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) darf Honig im Glas einen Wassergehalt von maximal 18 % aufweisen. Der Wassergehalt unseres Honigs liegt bei 16,6% und erfüllt problemlos die D.I.B- Vorgaben.
Invertaseaktivität: 163,8 [U/kg]
Die Invertase ist ein Enzym welches zum überwiegenden Teil von den Bienen bei der Honigbereitung mit dem Speichel zugefügt wird. Die Invertase ist sehr hitzempfindlich. Schon bei 50°C verliert es in nur 1,3 Tagen die Hälfte seiner Aktivität. Ist der Honig längere Zeit einer hohen Temperatur (>40°C) ausgesetzt, wird das Enzym somit inaktiv und lässt sich nicht mehr nicht mehr in höhren Mengen im Honig nachweisen. Dies kann beispielsweise passieren, wenn der Honig bei zu hohen Temperaturen gelagert wird oder wenn der Honig stark erhitzt wird. Eine Invertaseaktivität von über 64 U/kg (nach D.I.B.) gilt als Nachweis dafür, dass Honig nicht überhitzt wurde und schonend verarbeitet ist. Mit einem Invertasewert von 163,8 U/kg bestätigt unser Honig seine Naturbelassenheit – direkt aus dem Bienenstock ins Glas.
Es gibt zwei weitere Messwerte, die auf Hitzeschäden hinweisen: die Diastasezahl und der HMF-Gehalt. In unserer Analyse wurden beide Werte jedoch nicht untersucht. Die Diastase ist ein weiteres im Honig enthaltenes Enzym. Sie ist jedoch deutlich weniger hitzeempfindlich als die Invertase und verliert bei 50 °C erst nach etwa 15 Tagen die Hälfte ihrer Aktivität. Daher ist sie als Indikator für Wärmeeinwirkung weniger aussagekräftig als die Invertase. Hitzeschäden am Honig können außerdem über den Hydroxymethylfurfural-Gehalt (HMF-Gehalt) nachgewiesen werden. HMF ist ein Zuckerabbauprodukt, das insbesondere bei Überhitzung und unsachgemäßer Lagerung entsteht. Ein niedriger HMF-Gehalt ist also ein Kriterium für schonend gewonnenen und richtig gelagerten Honig, der HMF-Gehalt darf 15 mg pro kg Honig nicht überschreiten.
El. Leitfähigkeit: 0,58 [mS/cm]
Die elektrische Leitfähigkeit einer Honiglösung hängt hauptsächlich vom Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen ab, die überwiegend in Form von Salzen vorliegen. Wald- bzw. Honigtauhonige enthalten deutlich mehr Mineralstoffe (bis zu 1 %) als Blütenhonige (etwa 0,1–0,3 %). Entsprechend weisen Honigtauhonige auch eine höhere elektrische Leitfähigkeit auf. Wie gut die Lösung den Strom leitet, wird in Millisiemens pro Zentimeter (mS/cm) gemessen. Je höher der Wert also ist, desto mehr Mineralien, enthält der Honig. Unter 0,8 mS/cm = Blütenhonig. Über 0,8 mS/cm = Honigtauhonig. So einfach ist das Grundprinzip. Unser Honig hat eine Leifähigkeit von 0,58 Millisiemens pro Zentimeter und ist somit ein Blütenhonig.
3. Pollenanalyse
Für uns war die Pollenanalyse besonders interessant, da sie einen detaillierten Einblick in die tatsächliche Zusammensetzung unseres Honigs gibt. Da die Form, Größe und Oberflächenstruktur der Pollenkörner sehr unterschiedlich sind, lässt sich mithilfe eines Mikroskops herausfinden, welche Pflanzen in welchem Umfang von den Bienen besucht wurden. Über das gesamte Jahr hinweg haben wir nach der Arbeit am Bienenstand regelmäßig unsere Runden durch das umliegende Areal gedreht und versucht, die jeweils aktuellen Trachtpflanzen zu bestimmen. Dennoch waren die Ergebnisse für uns teilweise überraschend.
Dass 37,7 % der Pollen von Brombeeren und Himbeeren stammen, war keine Überraschung. Rund um das Areal wachsen zahlreiche Brombeersträucher, und in den Sommermonaten konnten wir dort ein reges Brummen und Summen beobachten. Unerwartet hoch war hingegen der Anteil der Edelkastanie mit 31,9 %. Offenbar sind die Bienen hierfür in den nahegelegenen Wald geflogen. Einen größeren Bestand an Edelkastanien hatten wir dort selbst bisher nicht wahrgenommen. In der kommenden Saison werden wir diesem Aspekt auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit schenken. Ebenso überraschend war für uns der geringe Anteil der Ackerbohne mit nur 1,3 %. Unsere Bienenvölker standen direkt an einem Winterackerbohnenfeld. Teilweise konnte man beobachten, wie die Bienen den Stock verließen, nur wenige Meter flogen und sich unmittelbar auf den Blüten der Winterackerbohne niederließen. Hier haben wir mit einen höheren Anteil gerechnet.
Darüber hinaus enthält unser Honig Pollen von Weißklee, Spargel, Linde, Weide, Vergissmeinnicht sowie von Stein- und Kernobstblüten – echte Vielfalt im Glas. Wenn ihr also das nächste Mal unseren Honig genießt, wisst ihr jetzt genau, was darin steckt.
Da keiner der ermittelten Pollenanteile hoch genug ist, um die Kriterien für einen Sortenhonig zu erfüllen, lautet die Empfehlung für die Verkehrsbezeichnung Blütenhonig. Welche Mindestanteile an Pollen für die Bezeichnung eines Sortenhonigs erforderlich sind, ist je nach Honigsorte unterschiedlich. So benötigt ein Löwenzahnhonig mindestens 10 % Löwenzahnpollen, ein Sonnenblumenhonig etwa 30 % Sonnenblumenpollen. Ein Kleehonig benötigt hingegen mindestens 70 % Kleepollen. Der Deutsche Imkerbund (D.I.B.) hat hierzu ein entsprechendes Merkblatt veröffentlicht, in dem die gängigen Honigsorten und deren pollenanalytische Richtwerte aufgeführt sind.
Hier könnt ihr unsere vollständige Honiganalyse herunterladen.
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